Tag-Archiv für 'meinungsfreiheit'

Tibet-Fahnen werden knapp

Deutschland in Not: Tibet-Fahnen werden knapp

Tibet-Fahnen werden knapp in Deutschland , vermeldet der Einzelhandel. In den letzten Wochen wurde die Lager leergekauft, es wird für deutsche Volksgenossen immer schwerer ihre uneingeschränkte Solidarität mit dem bewundernswerten stolzen Bergvolk und ihrem Führer auszudrücken. Nicht nur verhetzte und/oder geistig beeinträchtigte Individuen, auch deutsche Kommunen drücken ihre Verbundenheit mit dem Gottkönig mit wehenden Fahnen aus. Auf den Rathäusern hunderter deutscher Städte weht inzwischen die tibetische Flagge einträchtig neben der deutschen. Die Begeisterung für den Kampf zur Restauration der Mönchsherrschaft übertrifft sogar noch die Solidarität mit der UCK und anderen völkischen Banden während der Zerschlagung Jugoslawiens. Von links bis rechts dröhnt es „Nieder mit China!“. Endlich ist Deutschland geeint!

Kritik

Nun, ein paar ewiggestrige Vaterlandsverräter, die sich der anti-chinesischen Hetze für den fremdenfreien tibetischen Gottesstaat verweigern, gibt es natürlich immer noch. Auch in der Blogosphäre gibt es kritische Stimmen: Das Bad Blog beschäftigt sich mit dem imaginierten „Holocaust an Tibetern“, Chefarztfrau berichtet (nicht nur) vom TV-Phänomen Tibet und der Realität hinter dem Mythos „Dalai Lama“. Dem nahm sich Lizas Welt schon 2007 an.

Hintergründe zur Tibet-Thematik und dem „Dalai Lama“ findet man in Buchform in Colin Goldners „Fall eines Gottkönigs“ und in „Der Schatten des Dalai Lama.“ Von Victor und Victoria Trimondi. Als online-Einstieg in den aktuellen Konflikt eignet sich Goldners zweiteiliger Artikel aus der jungen Welt, und das Interview von german foreign policy mit Dr. Ingo Nentwig. Ebenfalls extrem lesenswert ist der GSP-Artikel „Unruhen in Tibet – Peking am Pranger“.

Mehr zum Verhältnis Deutschland – Tibet – China folgt bald. Die letzte tibet-kritische Presseschau findet sich hier – über die Reaktionen auf Indymedia kann man dort lachen.

Edit: Redsurfer liefert aufschlussreiches über den Blutdurst der Bild.

Bilanz 5 Jahre Irak-Krieg

Seit 5 Jahren tobt der Krieg im Irak, das von Bush frühzeitig erklärte „Ende der Hauptkampfhandlungen“ hat daran nichts geändert. Grund genug, sich die Bilanz der selbsternannten Verbreiter von „Freiheit und Demokratie“ mal genauer anzusehen. Der Lebensstandard ist heute niedriger, die Lebenserwartung geringer, die Analphabetenquote höher, die Löhne niedriger und die Preise höher als unter Saddam (während der mörderischen UN-Sanktionen!), wobei natürlich außer Söldnern so gut wie niemand Arbeit hat. Die irakische Bevölkerung wurde von den Friedensbringern um über eine Million Menschen dezimiert, die Gesundheitsversorgung zerschlagen, die Bodenschätze privatisiert und die Wirtschaft zerstört. Die Marionettenregierung hat mit der Sekularität des Baath-Regimes gebrochen, den Islam zur Staatsreligion erklärt und Teile der Scharia gesetzlich verankert. Die Bevölkerung wurde anhand aufgepfropfter ethnischer und religiöser Linien aufgeteilt und gegeneinander gehetzt. Selbst die UN muss zugeben, dass es den Irakern heute „in Freiheit“ sehr viel schlechter geht, als unter „der Diktatur“.

Alles Spitze also, und das erklärte heute auch George Bush. Und natürlich ist, wer das anders sieht, ein Volksverräter. Die haben selbstverständlich im „Land of the free“ kein Recht auf freie Meinungsäußerung. Deshalb wurden zahlreiche Anti-Kriegs-Protestierer in den USA heute von der Polizei in Zellen verfrachtet. Z.B. wegen schlimmen Vergehen wie dem Tragen eines Hutes mit dem Spruch „Kein Blut für Öl“. Die private US-Gefängnis-Industrie wird sich freuen. Schon heute hat sie über zwei Millionen Menschen als Zwangsarbeiter requiriert. Da machen die 200 von heute das Kraut im Gefängnisstaat Nr.1 auch nicht mehr fett.

Fundamentalisten fordern staatliche Verfolgung von Ungläubigen in Deutschland

Dass es sich bei der BRD um ein säkuläres Regime handelt, wie in Selbstdarstellungen, die als Feinderklärung gegen fremde Religionen gedacht sind, immer wieder explizit erklärt – wer mag das mit Blick auf die Verflechtung von Staat & Kirche in diesem Land schon glauben. Den Fundamentalisten jedenfalls geht die Macht der Krake Kirche, die jetzt schon in so gut wie alle Lebensbereiche vorgedrungen ist nicht weit genug. Deshalb soll die staatliche Verfolgung von Ungläubigen ausgeweitet werden.

Die bayerische Landesregierung arbeitet fieberhaft an einem Gesetzentwurf, der die Strafen für „Gotteslästerung“ verschärfen soll. Geht es nach den christlichen Partei-Fundamentalisten soll in Zukunft nicht mehr „nur“ die „Beschimpfung von Religion und Kirche“ strafbar sein, die „den öffentlichen Frieden stört“. Als ob der entsprechende Paragraph § 166 StGB nicht schon genügend Schande für eine angebliche Demokratie im Jahr 2007 wäre, soll nun auch noch „Herabwürdigung und Verspottung“ strafbar werden. Z.B. Witze über die Kirche, oder Aufklärung über deren Machenschaften könnte dann mit bis zu 3 Jahren Gefängnis geahndet werden. Im momentan herrschenden Klima des christlichen Kulturkampfes könnte bereits die öffentliche Erklärung, nicht an religiösen Mumpitz zu glauben, von christlichen Richtern als „Herabwürdigung“ angesehen und mit drakonischen Strafen belegt werden. Als Grund für die Initiative nennt die CSU die infantile Zeichentrickserie Popetown mit dem Papst als Hauptcharakter, die letztes Jahr auf MTV lief.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla beeilte sich, die bayerischen Kollegen von seinem Glauben und Willen zur Mission zu überzeugen, und forderte Kreuze in allen Schulen und Gerichten. Schließlich soll die Indoktrinierung und Gleichschaltung dieser „offenen Gesellschaft“ schon von klein auf beginnen.

Update: Auch Telepolis nimmt sich den Eiferern in den religiösen Parteien an und schlägt den Bogen zu Eva Hermanns neustem Machwerk und ihren selbst für die Bild zu offen rechten Statements die inzwischen bis zum Lob von Hitlers Familienpolitik reichen.