Archiv der Kategorie 'Tugendterror'

Best Pics von den 1000 Kreuzen

Gestern fand in Berlin der Marsch „1000 Kreuze für das Leben“ von christlichen Spinnern statt. Die Angaben über die Zahlen der gegen den „Babycaust“ demonstrierenden rechten Fundamentalisten schwanken zwischen 2500 und 200, die der Gegendemonstranten zwischen 800 und 200. Den Kommentaren auf Indymedia nach zu urteilen trifft wohl bei beiden eher die niedrigere Schätzung zu. Die Gegendemo scheint auf jeden Fall spassig gewesen zu sein (bis auf mehrere brutale Festnahmen und Attacken der Cops), wenn man sich die Transpis mal anschaut. Hier meine zwei Favourites:

Abtreiben gegen Deutschland
Abtreiben gegen Deutschland

Föten zu Pflugscharen
Föten zu Pflugscharen

Quelle

Für München ist am 04.10.08 auch ein Pro-Life-Marsch vorgesehen, lokale Nazis haben ebenfalls ihre Unterstützung angekündigt. Mehr über Gegenaktionen gibt es hier.

Tugendterror statt gesellschaftlichem Fortschritt – Attacken auf „Monsterautos“

Auf Indymedia feiern sich selbsternannte „Klimaschützer“ für die „Stilllegung“ von „Monsterautos“. Angeblich wurden allein in Berlin die Reifen von 160 „verbrauchsintensiven“ Autos geplättet. Die örtlichen Grünen und die notorische TAZ erklären die Täter kurzer Hand zu modernen „Robin Hoods“. Doch was steckt hinter den Attacken auf „Sport Utility Vehicles“ (SUVs)?

In den USA und Frankreich haben Anschläge und Übergriffe im Namen des Klimaschutzes schon länger Konjunktur. Jetzt schwappt diese Welle anscheinend auch auf Deutschland über.

Die Täter wollen mit dem Luftablassen aus den Reifen und Bekennerschreiben die Besitzer dazu bewegen, ihre Autos stillzulegen, weil diese laut Ökoaktivisten zu viel Sprit verbrauchen würden. Mit den Fahrern solcher Karossen trifft es laut TAZ genau die Richtigen, nämlich jene, „die ihr egoistisches Vergnügen gedankenlos über die Interessen der Gesellschaft stellen“.

Hier wird schon ein gefährliches Moment der Ideologie hinter den Attacken sichtbar: der Einzelne soll sich dem Kollektiv unterordnen, wer eigene Interessen verfolgt, gilt als Verräter, der gebrandmarkt und bestraft werden muss. Tugendterror soll gegen die Amoral der Individuen Abhilfe schaffen, sie einschüchtern und damit zur Ordnung rufen.

Im Gegensatz zur Bildschlagzeile handelt es sich bei diesen Klimaschützern aber nicht um „Auto-Hasser“, schließlich treffen die Aktionen nicht Otto-Normal-Autofahrer, sondern nur diejenigen mit besonders auffälligen Wagen. Eine Kritik am Individualverkehr wird nicht einmal im Ansatz formuliert. Das ist auch nur konsequent, werden doch alle Übel, die u.a. den Klimawandel hervorrufen, nicht auf ihre gesellschaftlichen Ursachen zurückgeführt, sondern individuellem Fehlverhalten zugeschrieben. Dass Menschen in Deutschland Autos fahren könnten, weil Autos produziert und verkauft werden, Straßen vorhanden sind und gepflegt werden und der öffentliche Verkehr unterfinanziert wird, kommt den Tugendwächtern nicht in den Sinn.

Dieses Ideologem beschränkt sich nicht auf den Zusammenhang SUVs vs. Klima. Wenn es um „Umweltschutz“ geht, werden manche Leute anscheinend plötzlich blind für gesellschaftliche Verhältnisse, politische Entscheidungen oder wirtschaftliche Interessen. Statt dessen ist das Individuum gefragt. „Der Bürger“ soll brav seinen Müll sortieren, deutsche Bio-Produkte kaufen und Mittelklasse-Autos mit Biodiesel-Nachrüstung fahren, dann klappts auch mit der Verhinderung der Klimakatastrophe. Dabei handelt es sich selbstverständlich um eine verheerende Fehleinschätzung. Selbst wenn so eine Illusion eintreten könnte, würde das nichts an der bevorstehenden Katastrophe ändern. Durch solch minimale Maßnahmen kann dem Klimawandel natürlich nicht ernsthaft begegnet werden.

Was aber ebenfalls auf keinen Fall außer Acht gelassen werden kann, ist eben der illusorische Charakter der Aufforderungen an den „Bürger“. Umweltschutz wird hier als persönliche Entscheidung gesehen, als Produkt, das gekauft werden kann. Die Bürger sollen stromsparende Kühlschränke, wassersparende Waschmaschinen, Energiesparlampen u.v.m. erwerben, um damit ihr Gewissen zu beruhigen. Dass sich die Mehrheit der Bevölkerung die Öko- und Bio-Produkte schlicht nicht leisten könnte, selbst wenn sie diesen Plunder erwerben wollte, muss von den Moralaposteln ignoriert werden – sie kennen keine Klassen, sondern nur deutsche Bürger. So formuliert ist Umweltschutz konsensfähig in allen Parteien und wird dementsprechend seit Jahrzehnten auch propagiert.

In diesem Zusammenhang sticht auch die Menschenfeindlichkeit der umweltschützerischen Forderungen der Ökos, insbesondere aus dem öko-liberalen Lager rund um die Grüne Partei hervor. „Nahrungsmittel sind eben zu billig“ und „Energie muss verteuert werden“ hört man aus diesem Milieu. Damit wird die Funktion der hegemonialen deutschen Klimaschutz-Propaganda als Verzichtsideologie für die Massen offenbar. Dass ein ALG-II-Empfänger seinen gebrauchten Kühlschrank vom Roten Kreuz nicht durch ein energiesparendes Topgerät ersetzt, will dem Öko-Liberalen nicht in Kopf. Statt nun soziale Ungleichheit ins Visier zu nehmen, wird die Unterschicht für ihr unmoralische Verhalten verdammt und zu mehr Verzicht aufgefordert. Damit lassen sich prima die nächsten Senkungen des Lebensstandards für die breiten Massen rechtfertigen – schließlich nützt die Verarmung und das Elend ja der Umwelt…

muelltrennung
Mit Mülltrennung gegen die Klimakatastrophe…