Archiv der Kategorie 'Kreuzzug'

Ca Ira Rausschmiss & linker Journalismus

„Zum Ausschluß des Ca Ira Verlags bei den Linken Buchtagen“

Ein Glanzstück linker Journalistik kann man Dank Freiem Sender Kombinat Hamburg z.Z. im Netz genießen. Das FSK hat den Mitschnitt einer Sendung zum Ausschluss des Ca Ira Verlages von der Linken Literaturmesse in Nürnberg veröffentlicht. Zwar wurde eine Telefonkonferenz abgehalten, wie bei linken Lokalradios aber zu erwarten, wurden nicht etwa Leute mit unterschiedlichen Meinungen zu dem Konflikt ins Studio geschaltet, sondern Ça ira-Chef Joachim Bruhn und ein Mitglied der Nürnberger Gruppe „AG Kritische Theorie“, die den Verlag auf der Literaturmesse vertritt. Parteilichkeit ist man ja gewohnt von Freien Radios, aber was der Moderator da leistet, ist wirklich extrem. Statt nach Interview hört sich das Ganze eher nach einer gemeinsamen bierseeligen Stammtischrunde an, in der drei Gleichgesinnte mal kräftig über die bösen linken Nazi-Kommunisten herziehen. Gäbs nicht Dank Telefonschaltung Unterschiede in der Stimmqualität, wär teilweise schwer zu erkennen, wer da eigentlich hetzen und wer die Vorlage liefern soll. Besonders interessant macht das Interview aber vor allem die Einstellung des Radio-Menschen zum (eigentlich aufzuklärenden) Sachverhalt. Von Beginn an macht er klar, dass ihm der herzlich egal ist, er hält es nicht mal für nötig, sich darüber zu informieren wo und was da eigentlich statt fand. Er schwafelt die ganze Zeit von irgendwelchen „Linken Buchtagen“, obwohl sogar Bruhn ihn verbessert, dass es sich um die „Linke Literaturmesse“ in Nürnberg handelt. Das hält Interviewer auch nicht davon ab, dann seinen Beitrag mit „Linken Buchtagen“ zu betiteln. Auch wo und wie diese Literaturmesse stattfindet, ist ihm wurst. Das ist insofern von Bedeutung, als die nächsten 25 Minuten jene Veranstaltung und ihr Umfeld als Ansammlung von Stalinisten, Steinzeit-Kommunisten, Antisemiten und Nazi-Kommunisten gegeißelt wird. Es geht eben um die Demonstration von Haltung, nicht um den Sachverhalt. Zwei Absätze in einem junge welt Artikel haben es dem Moderator besonders angetan. Natürlich hat er den nicht vorliegen und kann auch nicht mehr aus dem Gedächtnis zitieren, was da drin stand, also lässt er Bruhn (der sich wenigstens vorbereitet hat) den Abschnitt verlesen. Die Absätze hält der Radio-Mensch für so schlimm, dass keine weitere Erläuterung nötig ist, um klar zu machen, wie bösartig die Nürnberger Linken sind – der Text spricht angeblich für sich selbst. Deshalb hier der Abschnitt zum nachlesen:

„Veranstaltungsort der Messe war das »K 4« – ein städtisches Gebäude in Bahnhofs- und Innenstadtnähe. Vor dem Zweiten Weltkrieg ein Künstlerhaus, wurde es dann von den Faschisten genutzt und nach deren Niederlage von der US-Armee übernommen. Heute ist das »K 4« ein kommunales Kulturhaus, das für linke Veranstaltungen offen ist. Zeitweise war das »K 4« auch ein selbstverwaltetes Kommunikationszentrum, das mit dazu beigetragen hat, daß sich in Nürnberg eine breite und solidarische Linke entwickelte. Die versteht sich zwar mehrheitlich als undogmatisch, arbeitet jedoch durchaus mit der Linkspartei, der DKP, ATTAC, dem Sozialform und anderen Organisationen zusammen. »Antideutsche« spielen in Nürnberg so gut wie keine Rolle.

Zur linken Infrastruktur gehört auch der von einem Verein betriebene private Rundfunksender »Radio Z«. Er sendet mehrere Stunden Programm am Tage; politisches Kernstück des Angebots ist die Sendung »Stoffwechsel«. Auch über die Literaturmesse wurde ausgiebig berichtet. Wichtig für die Nürnberger Linke sind außerdem der Stadtteilladen »Schwarze Katze«, der jeden Montag eine Volksküche anbietet, sowie die seit 15 Jahren herausgegebene Zeitschrift Barricada.“

Was der Radio-Mensch denn nun genau so verdammenswert an der linken Szene Nürnbergs und dem Ausschluss Ca Iras findet, erfährt man trotz viel Gehetze nicht. Es bleibt am Ende nur die – wahrscheinlich aus der bauchlinken Vergangenheit geerbte – argumentlose Betroffenheit. Eigentlich seltsam für jemanden, der wahrscheinlich kein Problem damit hat, Szene-Ausschlüsse zu fordern und durchzusetzen, wenn sie sich gegen böse Linke und Leser der falschen Tageszeitung richten.

Dabei hätte ein Interview mit Bruhn zu der Sache durchaus hörenswert werden können. Vor allem wäre interessant gewesen, warum Ça ira darauf besteht, an einer Veranstaltung teilzunehmen, die nur von Stalinisten und Nationalsozialisten durchgeführt und besucht wird. Wie die AG Kritische Theorie zu den Aussagen der Leute, die sie auf ihre Veranstaltungen holt – z.B. Justus Wertmüller – steht, wäre ebenfalls eine Frage wert. Und warum man sich als böser linker Nazi-Kommunist solchen Dreck eigentlich gefallen lassen soll.

Best Pics von den 1000 Kreuzen

Gestern fand in Berlin der Marsch „1000 Kreuze für das Leben“ von christlichen Spinnern statt. Die Angaben über die Zahlen der gegen den „Babycaust“ demonstrierenden rechten Fundamentalisten schwanken zwischen 2500 und 200, die der Gegendemonstranten zwischen 800 und 200. Den Kommentaren auf Indymedia nach zu urteilen trifft wohl bei beiden eher die niedrigere Schätzung zu. Die Gegendemo scheint auf jeden Fall spassig gewesen zu sein (bis auf mehrere brutale Festnahmen und Attacken der Cops), wenn man sich die Transpis mal anschaut. Hier meine zwei Favourites:

Abtreiben gegen Deutschland
Abtreiben gegen Deutschland

Föten zu Pflugscharen
Föten zu Pflugscharen

Quelle

Für München ist am 04.10.08 auch ein Pro-Life-Marsch vorgesehen, lokale Nazis haben ebenfalls ihre Unterstützung angekündigt. Mehr über Gegenaktionen gibt es hier.

Bilanz 5 Jahre Irak-Krieg

Seit 5 Jahren tobt der Krieg im Irak, das von Bush frühzeitig erklärte „Ende der Hauptkampfhandlungen“ hat daran nichts geändert. Grund genug, sich die Bilanz der selbsternannten Verbreiter von „Freiheit und Demokratie“ mal genauer anzusehen. Der Lebensstandard ist heute niedriger, die Lebenserwartung geringer, die Analphabetenquote höher, die Löhne niedriger und die Preise höher als unter Saddam (während der mörderischen UN-Sanktionen!), wobei natürlich außer Söldnern so gut wie niemand Arbeit hat. Die irakische Bevölkerung wurde von den Friedensbringern um über eine Million Menschen dezimiert, die Gesundheitsversorgung zerschlagen, die Bodenschätze privatisiert und die Wirtschaft zerstört. Die Marionettenregierung hat mit der Sekularität des Baath-Regimes gebrochen, den Islam zur Staatsreligion erklärt und Teile der Scharia gesetzlich verankert. Die Bevölkerung wurde anhand aufgepfropfter ethnischer und religiöser Linien aufgeteilt und gegeneinander gehetzt. Selbst die UN muss zugeben, dass es den Irakern heute „in Freiheit“ sehr viel schlechter geht, als unter „der Diktatur“.

Alles Spitze also, und das erklärte heute auch George Bush. Und natürlich ist, wer das anders sieht, ein Volksverräter. Die haben selbstverständlich im „Land of the free“ kein Recht auf freie Meinungsäußerung. Deshalb wurden zahlreiche Anti-Kriegs-Protestierer in den USA heute von der Polizei in Zellen verfrachtet. Z.B. wegen schlimmen Vergehen wie dem Tragen eines Hutes mit dem Spruch „Kein Blut für Öl“. Die private US-Gefängnis-Industrie wird sich freuen. Schon heute hat sie über zwei Millionen Menschen als Zwangsarbeiter requiriert. Da machen die 200 von heute das Kraut im Gefängnisstaat Nr.1 auch nicht mehr fett.

Jugendliche Ausländergewalt live!

oder „Morgens halb 10 in Deutschland“…

Heute konnte ich mal live Zeuge werden, wie die sog. „Gewalt von jugendlichen Ausländern“ generiert wird. An einer Bushaltestelle standen neben mir noch ein paar sich selbst bestimmt mit Freude als „deutsch“ bezeichnende Mittelschichts-Typen herum. Ein Junge parkt gerade seinen Roller hinter uns an der Hauswand. Aus dem Haus tritt ein unrasierter, besoffener Proll im Plastik-Jogginganzug – im Auge der Bürgers sicher das lebende Klische des arbeitslosen Asozialen. Der Proll rempelt den Jungen an und wirft fast seinen Roller um. Darufhin ruft der Junge „Hey was soll das? Was ist mit dir los, man?“. Die ersten Bürgers werden aufmerksam, doch noch können sie die Situation nicht einschätzen – der Junge trägt noch seinen Helm mit verdunkeltem Visier. Da brüllt der Proll „dreckiges Kanakenschwein!“. Für die Bürgers das Signal: ein Volksdeutscher braucht Unterstützung! Ausländer lynchen ist aber bei gesitteten Mittelschichtlern nicht mehr in, das überläßt man bezahlten und unbezahlten Professionellen. Ein Vorzeigebürger rennt mit dem Handy in der Hand um die nächste Hausecke und ruft aus seinem Versteck heraus die Polizei. Inzwischen stehen sich die beiden Kontrahenten schubsend gegenüber, der vermeintliche Türke ist mit Helm immer noch 40 cm kleiner als sein „arischer“ Gegenpart. Zwei weitere Jugendliche mit Migrationshinterfrund kommen aus dem Haus und wollen schlichten. Beide reden auf den Rollerfahrer ein, er solle den Besoffenen doch ignorieren, eine Auseinandersetzung bringe eh nichts. Der Proll pöbelt inzwischen weiter. Der Rollerfahrer beherzigt den Rat der Jungs, setzt sich auf sein Gefährt und schürt davon. Nun kommt der Vorzeigebürger wieder aus seinem Versteck hinter der Hausecke, rennt kurz hinterher um sich das Nummernschild zu merken. Atemlos ruft er noch einmal die Polizei: „Der Täter ist entkommen! Einfach davon gefahren“ hört man ihn ins Telefon schnaufen. Ein weiterer Bürger tritt zu ihm hinzu und dankt dem Telefonierer für seine Zivilcourage. Die anderen auf den Bus wartenden Deustchen sind verstört, tuscheln miteinander, wie das nur weitergehen soll mit den vielen Kanaken im Land. Der Proll ist inzwischen verschwunden. Dass sich Leute, die ihn ebenfalls von der Polizei abführen lassen würden, wenn er es nur wagen würde, sich ihnen auf mehr als einen Meter zu nähern, beim Kampf gegen die Kanaken-Plage helfen, scheint ihn nicht zu wundern – wir sind schließlich in Deutschland. Morgen wird die Lokalzeitung mit einem weiteren Fall von „Gewalt jugendlicher Ausländer gegen Deutsche“ aufwarten. Inzwischen hat vielleicht schon ein Sondereinsatzkommando mit vorgehaltenem Maschinengewehr den Rollerfahrer aus seinem Bett gezerrt. Alltag in diesem Land eben.

Im Auftrag des Herrn

Die Regierung hat vorgesorgt – im Katastrophen- oder Terror-Fall sollen Spezialeinheiten bestehend aus Klerikern ausgesandt werden um das kollektive Seelenheil zu retten und die Bevölkerung zum Gehorsam gegenüber den Herrschenden anleiten. Nein, bei dieser Geschichte es handelt sich nicht um ein Hollywood-Sequel zu „Van Helsing“ oder „Constantine“ – sondern um aktuelle Maßnahmen der US-amerikanischen Adminsitration. Tatsächlich sollen sog. „Clergy Response Teams“, bestehend aus Pastoren der Kirchen und Scientology-Mitgliedern aufgebaut werden, um bei Ausrufung des Ausnahmezustands ausrücken zu können.
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