Im Moment ist ja die Zeit des blöden Geschwalles über den „Fall der Mauer“. Nachdem gestern Merkel das Internet für selbigen verantwortlich gemacht hatte, trat James Baker, 1989 Secretary of State unter Bush I, heute auf CNN nach. Er hätte die DDR kurz nach dem Fall der Mauer zum ersten Mal betreten, und der Unterschied zur BRD sei extrem krass gewesen. Die DDR war nur nämlich eine Ansammlung von Ruinen und sah aus wie ein „Dritte-Welt-Land“. Deshalb waren die Millionen arbeitslosen, hungernden und obdachlosen DDR-Bürger also so froh über den Anschluss an die BRD! Echt interessante News, vielleicht sind solche Erzählungen in den USA ja populärer, weil es kaum Leute gibt, die dem dank eigener Erfahrung widersprechen könnten. Der Einwand, dass das „Ende des Kommunismus“ im gesamten ehemaligen Ostblock zu sinkendem Lebensstandart und -erwartung geführt hat, würde bei solchen Schauermärchen vom Hungerleider-Leben hinter dem „eisernen Vorhang“ natürlich nur stören.
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Merkel hat gerade auf der „Falling Wall Conference“ ihre Theorie über die Ursache des Mauerfalls zum Besten gegeben. Demnach gab es in der DDR von Beginn an dauernd Aufstände, die aber stets scheiterten. 1989 kam dann der Erfolg, weil sich in der gesellschaftlichen Situation entscheidendes geändert hatte. Und zwar hätte die Entwicklung von Computern zu neuen Kommunikationswegen geführt, die sich nicht so leicht bespitzeln und zensieren ließen. Dazu kam, dass in der DDR die Informationstechnologien einen neuen Typus von Arbeitnehmer nötig machten, der in der Lage war, Informationen kritisch zu beurteilen, zu sortieren und sogar zu generieren. Solche Menschen wären dann weniger leicht zu indoktronieren gewesen.
Eine wirklich bisher einzigartige Analyse, die wohl die gesamte Geschichtsschreibung umkrempeln wird. Das Internet hat die DDR gestürzt!
Für den 12.08. planen selbsternannte Antifaschisten einen Aktionstag gegen Siemens-Nokia, Mercedes-Benz & Dräger. Ihre Aufrufe zu Konsumverzicht und die Dämonisierung international agierender Konzerne stehen dabei in NS-Tradition und knüpfen an antisemitische Stereotype an. Das einseitige boykottieren einer Marke stellt nicht das ganze kapitalistische System in Frage, sondern greift sich symbolisch einen Vertreter als Sündenbock heraus, der für das Ganze bestraft werden soll. Dieses Sündenbock-Prinzip ist aus der deutschen Geschichte bekannt und fand im Dritten Reich seinen Höhepunkt mit der Ermordung von Millionen Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen, Kommunisten und anderen Kritikern, die von dem Regime und dem deutschen Volk als Volksfeinde eingestuft hatten. Mit dieser Einstufung als „Volksschädlinge“ wurde der Eindruck erzeugt, dass Juden etc. für die „Volksgemeinschaft“ das Problem darstellten, dass es zu vernichten galt. Mit einem Boykott gegen einen Vertreter der kapitalistischen Produktion wird der gleichen Logik gefolgt, indem ein „Sündenbock“ für die Misere Kapitalismus hergehalten muss. Dabei werden die Produktionsbedingungen in der kapitalistischen Logik als Ganzes ausgeklammert. Es ist kein Zufall, dass die an den Boykotten jüdischer Geschäfte während des Nationalsozialismus angelehnte Kampagne ausgerechnet Hersteller von Luxuskarossen und Handys ins Visier nimmt – steht doch beides im Weltbild der rot-braunen Verzichtsethiker für volksschädliche Dekadenz angeblich unproduktiver „Bonzen“. Dass dahinter nur der Neid professioneller Versager auf all jene steckt, die ihr Leben jenseits volksgemeinschaftlicher Zwangskollektive genießen wollen, ist mehr als offensichtlich.
Deshalb kann eine antifaschistische Antwort auf den linksdeutschen Aktionstag nur lauten:
Benz statt Boykott! Siemens statt Sozialismus! Nokia statt Neda!
Kommunismus mal richtig sexy:
Gestern fand in Berlin der Marsch „1000 Kreuze für das Leben“ von christlichen Spinnern statt. Die Angaben über die Zahlen der gegen den „Babycaust“ demonstrierenden rechten Fundamentalisten schwanken zwischen 2500 und 200, die der Gegendemonstranten zwischen 800 und 200. Den Kommentaren auf Indymedia nach zu urteilen trifft wohl bei beiden eher die niedrigere Schätzung zu. Die Gegendemo scheint auf jeden Fall spassig gewesen zu sein (bis auf mehrere brutale Festnahmen und Attacken der Cops), wenn man sich die Transpis mal anschaut. Hier meine zwei Favourites:
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Abtreiben gegen Deutschland
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Föten zu Pflugscharen
Für München ist am 04.10.08 auch ein Pro-Life-Marsch vorgesehen, lokale Nazis haben ebenfalls ihre Unterstützung angekündigt. Mehr über Gegenaktionen gibt es hier.
Wenige Tage vor dem EU-Lateinamerika-Gipfel in Lima macht der venezolanische Präsident Hugo Chávez erneut Schlagzeilen. Die deutsche Presse wütet, weil Chavez Einmischungen der deutschen Regierung in südamerikanische Angelegenheiten zurückweist. Merkel soll mehrere Regierungen aufgefordert haben, ihre Beziehungen zu Venezuela abzubrechen, bzw. keine einzugehen. Gegen diese imperialistischen Anmaßungen sprach sich Chavez in einer Radio-Sendung aus. Merkel solle lieber vor der eigenen Tür kehren, schließlich gehöre sie als deutsche Konservative einem Parteispektrum mit übler Geschichte an, eben „derselben Rechten, die Hitler und den Faschismus unterstützt hat“.
Vielen Dank an Hugo Chavez für diese weisen Worte!
Heute beim Zeitschriften-Händler: vor mir an Kasse steht ein junger Typ, den man wohl als „Emo“ kategorisieren würde. Ganz in schwarz, zu enge Hosen, zerstörte Chucks, schwarzgefärbte Haare hinten kurz und vorne lang & ins Gesicht geklebt. Da fragt man sich unwillkürlich, was der Typ wohl kaufen wird – die Bravo vielleicht? Ich staunte nicht schlecht, als der Emo-Boy dann an der Kasse das neueste Landser-Heft (hxxp://www.landser.de) bezahlte. Schlimm genug, dass es sowas noch gibt, und es auch noch in dem Laden verkauft wird. Die unerwartete Verknüpfung von Jugendkultur und Nazi-Literatur gab mir schon zu denken. Gibt es vielleicht sowas wie Landser-Emo, also eine Art Pendant zu Hatecore & NS-Black-Metal in der Emo-Szene? Wundern sollte einen ja eigentlich gar nix mehr, aber die Emo-Attitude (Jammerlapperei, Schwäche zeigen, etc.) hielt ich bisher eigentlich für eher resistent gegen Nazi-Ideologeme…

Und so sieht dieser Müll aus
Unter column.blogsport.de läßt uns ein Nachwuchs-Necon an seiner fundierten Einschätzung der weltpolitischen Lage – für ihn natürlich ein Kampf freier Westen gegen islamische Barbarei – teilhaben:
„Und es gibt weitere ähnliche Beispiele. Fast ganz Deutschland, ja bald mehr als die halbe Welt fordert einen Truppenabzug der USA aus dem Irak.
Dass dann dort die Hamas und Fatah einen unerbittlichen Krieg auf Kosten der Bevölkerung austragen würden, der weit mehr Opfer kosten müsste, als gezielte Terror-Verhinderungs-Aktionen der GI´s interessiert niemanden.“
Wie hieß nochmal die Partei vom Wüstenhitler Saddam? Das war bestimmt die Hamas. Ist ja auch egal, die Kamelficker sind eh alle gleich…
Als wär das nicht schon Offenbarung genung, macht column weiter:
„Dass Kopftuchverbote an deutschen Schulen zurzeit scheinbar mehr Aufsehen erregen als Beschimpfungen islamischer Schüler an deutsche Lehrer bemerkt niemand.“
Die armen Deutschen – im eigenen Land von Fremdrassigen bloßgestellt – eine Schande!
Und wie reagieren unsere lieben Herrschenden darauf – rächen sie wenigstens unsere Schmach? Nein!
„Aber die westliche Welt betreibt eine Appeasement-Politik. Es gibt eine Riesen-Empörung, aber mehr auch nicht. Keine Sanktionen, keine Forderungen, nichts.
Sie lassen die Islamisten große, teure Moscheen in Deutschland bauen, zur selben Zeit bombardieren irakische Truppen fremde Synagogen in Israel.“
Ja, was soll man dazu noch sagen?