Archiv für Mai 2008

Nationale Sozialisten für Israel – Einordnung und Rezeption

Seit kurzem geistert ein Phänomen mit dem einprägsamen Namen „Nasofi“ durch die Blogosphäre¹. Die Nationalen Sozialisten für Israel haben jene überrascht, die der Theorie anhingen, in postmodernen Zeiten könnten Nazis alle Themen, Symbole und Forderungen übernehmen und für sich benützen, außer der Solidarität mit Israel und der dazugehörigen Fahnenschwenkerei. Damit bliebe dann die Fahne Israels als letztes genuin antifaschistisches Symbol.² Natürlich war das schon immer Blödsinn, und Israel-Solidarität in der BRD seit Gründung eine rechte Domäne. Die westdeutschen Eliten setzen bei der Restauration ihrer Macht trotz Niederlage und dem Ballast der NS-Verbrechen auf die geschichtsklitternde Reduktion des NS auf den Antisemitismus. Die Glorifizierung Israels und der mit Israel gleichgesetzten JüdInnen konnte nun als „Beweis“ für den Bruch mit dem deutschen Faschismus herhalten. So verfuhren neben den Mainstream-Parteien vor allem die Springer-Presse, deren millionenfach an den deutschen Mann gebrachte „Lehre“ aus dem 3.Reich sich spätestens nach den Frontberichten vom 6-Tage-Krieg als „Hätten wir die Juden statt ins KZ an die Front geschickt, hätten wir den Krieg gewonnen“ zusammenfassen läßt. Nimmt man die NS-Rassentheorie ernst, hatten die Juden ihre Überlegenheit als Volk durch die Zerschlagung Nazi-Deutschlands „bewiesen“ und sich damit Anerkennung verdient. Doch soweit wollten diejenigen, die sich mit dem argumentativen Turn der deutschen Eliten nicht abfinden und offen weiter den NS propagieren wollten, damals mehrheitlich nicht abfinden. Antisemitismus und Israelhass spielt damit in der marginalen deutschen NS-Szene (im Gegensatz zur sonstigen deutschen rechten) bis heute eine überragende Rolle. Doch der Anziehungskraft der sich dank im deutschen Diskurs dominierender Moslemhetze im Aufwind befindlichen israelsolidarischen Rechten (wie des Anti-Islam-Portals „Politically Incorrect“) kann sich die NS-Szene inzwischen immer weniger entziehen. Der kurze Versuch, islamische Fundamentalisten und deren Regimes im Nahen Osten als potentielle Bündnispartner der deutschen Faschisten zu präsentieren, kann wohl als gescheitert angesehen werden. Inzwischen sind solche Töne bei der NPD in den Hintergund getreten, und die wichtigsten neo-faschistischen Gruppierungen demonstrieren wieder lieber gegen „die Islamierung Deutschlands“ als für Ahmadinedschad. Auch beim einflussreichen Nazi-Portal Altermedia ist die Pro-Islam-Linie längst aufgegeben worden, auch in den Kommentaren dominiert wieder die Hetze gegen die muslimischen“Überfremder“. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis Teile der NS-Fraktion der deutschen Rechten ihr Konzept des Ethnopluralismus konsequent zu Ende formulieren, und dem jüdischen Volk einen normalen Platz in der Welt der Völker und Stämme garantieren wollen. Eben dies macht Nasofi, deren Pamphlete den veralteten NS-Antisemitismus abschütteln, und eine Welt der strikt von einander getrennten homogenen Volkskörper propagieren. Für eine Ausnahme „Israel“ ist da schlicht kein Platz in der Theorie.

Über Nasofi wird inzwischen viel diskutiert, z.B. bei links-lang, emopunk.net, im ADF-Forum und bei HipHop-Partisan. Auch die bürgerliche Presse hat die Gruppe entdeckt. Und natürlich streiten die Nazis selbst über Sinn und Unsinn der Nasofi-Richtung.

Das Bild mit der Reichsfahne samt Davidstern auf der Nasofi-Seite ist übrigens eine bearbeitete Version von diesem hier von einem Artikel zu einer Demo gegen den Iran in Nürnberg während der WM:

¹ Disko in der Blogosphäre:

nachdenklich, elser (2), bikepunk (2), blackone, classless, papierkrieg, wendy, hate work. love communism

² z.B.: „Israels Fahne ist gegen eine symbolverliebte Linke die wohl eindeutigste Bekundung eines konkreten Antifaschismus. Sie ist ein Zeichen, das nicht anti-antifaschistisch, nicht für Querfront-Strategien und auch nicht im Rahmen dogmatischer Klassenkampf- respektive Volkstums-Ideologien verwendet werden kann.“
aus „Basisbanalitäten zum Fahnenstreit“ (Bahamas 44/2004)

Muchas Gracias, Presidente!

Wenige Tage vor dem EU-Lateinamerika-Gipfel in Lima macht der venezolanische Präsident Hugo Chávez erneut Schlagzeilen. Die deutsche Presse wütet, weil Chavez Einmischungen der deutschen Regierung in südamerikanische Angelegenheiten zurückweist. Merkel soll mehrere Regierungen aufgefordert haben, ihre Beziehungen zu Venezuela abzubrechen, bzw. keine einzugehen. Gegen diese imperialistischen Anmaßungen sprach sich Chavez in einer Radio-Sendung aus. Merkel solle lieber vor der eigenen Tür kehren, schließlich gehöre sie als deutsche Konservative einem Parteispektrum mit übler Geschichte an, eben „derselben Rechten, die Hitler und den Faschismus unterstützt hat“.

Vielen Dank an Hugo Chavez für diese weisen Worte!

Revolutionäre Demo Nürnberg 1.Mai 08

Gegen Nazis und für die Revo – 1.Mai demo in Nürnberg 2008

Bericht

hier ein paar Videos:
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