Archiv für September 2007

Tugendterror statt gesellschaftlichem Fortschritt – Attacken auf „Monsterautos“

Auf Indymedia feiern sich selbsternannte „Klimaschützer“ für die „Stilllegung“ von „Monsterautos“. Angeblich wurden allein in Berlin die Reifen von 160 „verbrauchsintensiven“ Autos geplättet. Die örtlichen Grünen und die notorische TAZ erklären die Täter kurzer Hand zu modernen „Robin Hoods“. Doch was steckt hinter den Attacken auf „Sport Utility Vehicles“ (SUVs)?

In den USA und Frankreich haben Anschläge und Übergriffe im Namen des Klimaschutzes schon länger Konjunktur. Jetzt schwappt diese Welle anscheinend auch auf Deutschland über.

Die Täter wollen mit dem Luftablassen aus den Reifen und Bekennerschreiben die Besitzer dazu bewegen, ihre Autos stillzulegen, weil diese laut Ökoaktivisten zu viel Sprit verbrauchen würden. Mit den Fahrern solcher Karossen trifft es laut TAZ genau die Richtigen, nämlich jene, „die ihr egoistisches Vergnügen gedankenlos über die Interessen der Gesellschaft stellen“.

Hier wird schon ein gefährliches Moment der Ideologie hinter den Attacken sichtbar: der Einzelne soll sich dem Kollektiv unterordnen, wer eigene Interessen verfolgt, gilt als Verräter, der gebrandmarkt und bestraft werden muss. Tugendterror soll gegen die Amoral der Individuen Abhilfe schaffen, sie einschüchtern und damit zur Ordnung rufen.

Im Gegensatz zur Bildschlagzeile handelt es sich bei diesen Klimaschützern aber nicht um „Auto-Hasser“, schließlich treffen die Aktionen nicht Otto-Normal-Autofahrer, sondern nur diejenigen mit besonders auffälligen Wagen. Eine Kritik am Individualverkehr wird nicht einmal im Ansatz formuliert. Das ist auch nur konsequent, werden doch alle Übel, die u.a. den Klimawandel hervorrufen, nicht auf ihre gesellschaftlichen Ursachen zurückgeführt, sondern individuellem Fehlverhalten zugeschrieben. Dass Menschen in Deutschland Autos fahren könnten, weil Autos produziert und verkauft werden, Straßen vorhanden sind und gepflegt werden und der öffentliche Verkehr unterfinanziert wird, kommt den Tugendwächtern nicht in den Sinn.

Dieses Ideologem beschränkt sich nicht auf den Zusammenhang SUVs vs. Klima. Wenn es um „Umweltschutz“ geht, werden manche Leute anscheinend plötzlich blind für gesellschaftliche Verhältnisse, politische Entscheidungen oder wirtschaftliche Interessen. Statt dessen ist das Individuum gefragt. „Der Bürger“ soll brav seinen Müll sortieren, deutsche Bio-Produkte kaufen und Mittelklasse-Autos mit Biodiesel-Nachrüstung fahren, dann klappts auch mit der Verhinderung der Klimakatastrophe. Dabei handelt es sich selbstverständlich um eine verheerende Fehleinschätzung. Selbst wenn so eine Illusion eintreten könnte, würde das nichts an der bevorstehenden Katastrophe ändern. Durch solch minimale Maßnahmen kann dem Klimawandel natürlich nicht ernsthaft begegnet werden.

Was aber ebenfalls auf keinen Fall außer Acht gelassen werden kann, ist eben der illusorische Charakter der Aufforderungen an den „Bürger“. Umweltschutz wird hier als persönliche Entscheidung gesehen, als Produkt, das gekauft werden kann. Die Bürger sollen stromsparende Kühlschränke, wassersparende Waschmaschinen, Energiesparlampen u.v.m. erwerben, um damit ihr Gewissen zu beruhigen. Dass sich die Mehrheit der Bevölkerung die Öko- und Bio-Produkte schlicht nicht leisten könnte, selbst wenn sie diesen Plunder erwerben wollte, muss von den Moralaposteln ignoriert werden – sie kennen keine Klassen, sondern nur deutsche Bürger. So formuliert ist Umweltschutz konsensfähig in allen Parteien und wird dementsprechend seit Jahrzehnten auch propagiert.

In diesem Zusammenhang sticht auch die Menschenfeindlichkeit der umweltschützerischen Forderungen der Ökos, insbesondere aus dem öko-liberalen Lager rund um die Grüne Partei hervor. „Nahrungsmittel sind eben zu billig“ und „Energie muss verteuert werden“ hört man aus diesem Milieu. Damit wird die Funktion der hegemonialen deutschen Klimaschutz-Propaganda als Verzichtsideologie für die Massen offenbar. Dass ein ALG-II-Empfänger seinen gebrauchten Kühlschrank vom Roten Kreuz nicht durch ein energiesparendes Topgerät ersetzt, will dem Öko-Liberalen nicht in Kopf. Statt nun soziale Ungleichheit ins Visier zu nehmen, wird die Unterschicht für ihr unmoralische Verhalten verdammt und zu mehr Verzicht aufgefordert. Damit lassen sich prima die nächsten Senkungen des Lebensstandards für die breiten Massen rechtfertigen – schließlich nützt die Verarmung und das Elend ja der Umwelt…

muelltrennung
Mit Mülltrennung gegen die Klimakatastrophe…

Dümmster AD des Tages

Unter column.blogsport.de läßt uns ein Nachwuchs-Necon an seiner fundierten Einschätzung der weltpolitischen Lage – für ihn natürlich ein Kampf freier Westen gegen islamische Barbarei – teilhaben:

„Und es gibt weitere ähnliche Beispiele. Fast ganz Deutschland, ja bald mehr als die halbe Welt fordert einen Truppenabzug der USA aus dem Irak.

Dass dann dort die Hamas und Fatah einen unerbittlichen Krieg auf Kosten der Bevölkerung austragen würden, der weit mehr Opfer kosten müsste, als gezielte Terror-Verhinderungs-Aktionen der GI´s interessiert niemanden.“

Wie hieß nochmal die Partei vom Wüstenhitler Saddam? Das war bestimmt die Hamas. Ist ja auch egal, die Kamelficker sind eh alle gleich…

Als wär das nicht schon Offenbarung genung, macht column weiter:

„Dass Kopftuchverbote an deutschen Schulen zurzeit scheinbar mehr Aufsehen erregen als Beschimpfungen islamischer Schüler an deutsche Lehrer bemerkt niemand.“

Die armen Deutschen – im eigenen Land von Fremdrassigen bloßgestellt – eine Schande!

Und wie reagieren unsere lieben Herrschenden darauf – rächen sie wenigstens unsere Schmach? Nein!

„Aber die westliche Welt betreibt eine Appeasement-Politik. Es gibt eine Riesen-Empörung, aber mehr auch nicht. Keine Sanktionen, keine Forderungen, nichts.

Sie lassen die Islamisten große, teure Moscheen in Deutschland bauen, zur selben Zeit bombardieren irakische Truppen fremde Synagogen in Israel.“

Ja, was soll man dazu noch sagen?

Im Auftrag des Herrn

Die Regierung hat vorgesorgt – im Katastrophen- oder Terror-Fall sollen Spezialeinheiten bestehend aus Klerikern ausgesandt werden um das kollektive Seelenheil zu retten und die Bevölkerung zum Gehorsam gegenüber den Herrschenden anleiten. Nein, bei dieser Geschichte es handelt sich nicht um ein Hollywood-Sequel zu „Van Helsing“ oder „Constantine“ – sondern um aktuelle Maßnahmen der US-amerikanischen Adminsitration. Tatsächlich sollen sog. „Clergy Response Teams“, bestehend aus Pastoren der Kirchen und Scientology-Mitgliedern aufgebaut werden, um bei Ausrufung des Ausnahmezustands ausrücken zu können.
Mehr dazu bei Telepolis

Fundamentalisten fordern staatliche Verfolgung von Ungläubigen in Deutschland

Dass es sich bei der BRD um ein säkuläres Regime handelt, wie in Selbstdarstellungen, die als Feinderklärung gegen fremde Religionen gedacht sind, immer wieder explizit erklärt – wer mag das mit Blick auf die Verflechtung von Staat & Kirche in diesem Land schon glauben. Den Fundamentalisten jedenfalls geht die Macht der Krake Kirche, die jetzt schon in so gut wie alle Lebensbereiche vorgedrungen ist nicht weit genug. Deshalb soll die staatliche Verfolgung von Ungläubigen ausgeweitet werden.

Die bayerische Landesregierung arbeitet fieberhaft an einem Gesetzentwurf, der die Strafen für „Gotteslästerung“ verschärfen soll. Geht es nach den christlichen Partei-Fundamentalisten soll in Zukunft nicht mehr „nur“ die „Beschimpfung von Religion und Kirche“ strafbar sein, die „den öffentlichen Frieden stört“. Als ob der entsprechende Paragraph § 166 StGB nicht schon genügend Schande für eine angebliche Demokratie im Jahr 2007 wäre, soll nun auch noch „Herabwürdigung und Verspottung“ strafbar werden. Z.B. Witze über die Kirche, oder Aufklärung über deren Machenschaften könnte dann mit bis zu 3 Jahren Gefängnis geahndet werden. Im momentan herrschenden Klima des christlichen Kulturkampfes könnte bereits die öffentliche Erklärung, nicht an religiösen Mumpitz zu glauben, von christlichen Richtern als „Herabwürdigung“ angesehen und mit drakonischen Strafen belegt werden. Als Grund für die Initiative nennt die CSU die infantile Zeichentrickserie Popetown mit dem Papst als Hauptcharakter, die letztes Jahr auf MTV lief.
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla beeilte sich, die bayerischen Kollegen von seinem Glauben und Willen zur Mission zu überzeugen, und forderte Kreuze in allen Schulen und Gerichten. Schließlich soll die Indoktrinierung und Gleichschaltung dieser „offenen Gesellschaft“ schon von klein auf beginnen.

Update: Auch Telepolis nimmt sich den Eiferern in den religiösen Parteien an und schlägt den Bogen zu Eva Hermanns neustem Machwerk und ihren selbst für die Bild zu offen rechten Statements die inzwischen bis zum Lob von Hitlers Familienpolitik reichen.

Ein Land hinter Gittern

Wie das Institut der Deutschen Wirtschaft unter Berufung auf Zahlen der University of London mitteilte, sind die USA bei der Quote der Gefängnisinsassen Weltspitze und übertreffen alle „Schurkenstaaten“ bei weitem. Während im OECD-Schnitt auf 100000 Einwohner 276 Gefängniosinsassen kommen, lag die Zahle im „Land of the Free“ bei 737. Abgeschlagen liegt Polen auf Platz 2 mit einem Abstand von 500.

Grund könnte das private Knastsystem der USA sein, in dem die Gefängnisfirmen von jedem Inhaftierten profitieren – die meisten der insgesamt 2,2 Millionen Gefangenen werden mit kostenloser Zwangsarbeit ausgebeutet. Natürlich drängen die beteiligten Unternehmen stetig auf Gesetzesverschärfungen und Anhebungen der Strafmaße.

siehe auch